Weihnachten ohne

In Deutschland ist die Krise eingebrochen. Jeder merkt, dass es ihm schlechter geht, ob reich oder arm, keiner hat genug.
Der Reiche und der Vertreter des Mittelstandes hat nicht mehr genug Geld, um zweimal im Jahr nach Mallorka oder nach Tunesien in Urlaub zu fliegen. Obwohl man sich doch sonst nichts gönnt.
Man kann sich kein so großes Auto mehr leisten, und ins Restaurant gehen ist auch nicht mehr so oft drin, wie früher. Die Stammkneipe, die bis vor kurzem als zweites Wohnzimmer diente, besucht man nur noch am Wochenende, nur noch auf ein Bierchen.
Ja, aber früher war eben alles viel früher, wie jemand gesagt hat.
Der deutsche Reiche und der Wohlhabende können seltener zum Friseur, denn Waschen, Schneiden, Legen, Fönen gibt es ab ca. 26,- Euro. Von den Strähnchen oder der Dauerwelle ganz abgesehen!
Also fönt man wenigstens selbst, oder geht zu einer Bekannten, die das zu Hause für die Hälfte macht.
Auch solche Sellbstverständlichkeiten wie Haarverlängerung von 100,- bis 900,- Euro gehören nicht mehr zum Alltag der verarmten deutschen Frau.
Sie kann sich die Wimpernverlängerung für ca. 50,- Euro und für besondere Fälle wie Hochzeit, Geburtstag, Jubiläum, Weihnachten, Silvester und Feste kaum noch leisten.
Und hat man schon mal Weihnachten ohne verlängerte Wimpern erlebt???
Na bitte, dann brauche ich ja nichts mehr hinzuzufügen.

Auch die Maniküre für 15,- Euro oder die Neumodelage der Nägel in Olga’s Nageldesignstudio, für Schüler ab 25,- Euro, sonst 35,- Euro, sind zu teuer. Dennoch haben viele Mädchen total ausgeflippte und toll bemalte Fingernägel. Hab ich selbst gesehen! Wer bezahlt das jetzt, wo die Eltern arbeitslos geworden sind? Oder die Tatoos? Die, die den ganzen Rücken bedecken, können um die 8000,- Euro kosten! Oder Piercing? Das braucht man doch unbedingt als Schüler. Und es reicht höchstens nur noch für einen Nasenflügel rechts oder links, ab 14,- Euro.

Und da hört man die rechtsradikalen Vertreter einiger Parteien rufen: unsere Großeltern haben den Wohlstand ja aufgebaut. Und wie? So einfach – nach dem zweiten Weltkrieg. Und es hat bloß einige Millionen Menschen im Krieg das Leben gekostet.
Den Wohlstand lassen wir uns nicht nehmen. Die Gastarbeiter haben ihren Job gemacht und sind leider hier geblieben! Interessant. Ohne diese Gastarbeiter hätte man diesen Wohlstand nicht aufbauen können, denn es gab vor allem Witwen mit Kindern, ältere Menschen und Kriegsinvaliden, als alle Großeltern angefangen haben den Wohlstand in Deutschland aufzubauen.

Wie viele Männer kamen stark und gesund aus dem Krieg 1945 zurück??? Wie viele Jahre später? Wie viele kamen leider überhaupt nicht zurück?

In vielen Ländern ist man froh, wenn man am Tag einfach satt wird und genug zu trinken hat, und dass die Kinder eine Schule besuchen können. Und das ist schon oft Luxus.
Hier will man den Luxus selbstverständlich, auf immer und ewig, abonniert haben. Die NPD schreibt im Wahlflugblatt, dass die Krise im Osten nicht so stark zu spüren ist…, denn: „Wo nichts ist, kann auch nichts verschwinden oder einbrechen.“
Vielleicht sieht man es hier ein, dass es einfach im Westen Jahre lang zu viel gab und es kamen Zeiten, da muss man sich auf das Wesentliche einschränken. Den Luxus, wie ihn das Westeuropa seit Jahren kennt, kennen die allerwenigsten woanders in der Welt.

Weihnachten in Deutschland in Zeiten der Krise: ohne Wimpern- oder Haarverlängerung und zu Hause, und nicht in Thailand oder in Florida, nicht im 5-Sterne-Hotel.
„Hier ist schon lange kein Krieg gewesen“, sagte ein Schauspieler im Prolog zu Bertolt Brecht’s „Mutter Courage“ im Koblenzer Theater. Hoffentlich bleibt es so.
Einige scheinen es nicht zu begreifen, dass sie dankbar sein können, den Krieg nicht vor und in dem eigenen Haus, sondern weit weg führen zu müssen, auch wenn leider Gottes, einige hunderte Menschen mit ihrem Leben dafür bezahlen.
So können Millionen am Leben und in ihren Häusern vor dem Fernsehen bleiben. Und nicht umgekehrt. So können Millionen irgendwo auf der Welt irgendwann auf eine Bessere Zukunft hoffen, ohne dass ein Weltkrieg über ihr Land und andere Länder rollt und wieder zerstört, was ihre Großeltern auf demselben Wege früher aufgebaut haben.

14.03.2012

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