Joanna Krupinska Prosa
Deutschland feiert heute den Jahrestag der „Wiedervereinigung“.
Nun muss ich 23 Jahre nach dem Mauerfall feststellen, dass es damals nicht nur um eine Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten ging, sondern auch um eine Übernahme eines deutschen Staates durch den anderen deutschen Staat.
Die Wiedervereinigung war vielleicht bis Mitte der sechziger Jahre möglich. Danach entstanden nebeneinander zwei verschiedene deutsche Staaten, wie heute die Nordkorea und die Südkorea.
Die DDR wurde von der BRD übernommen, in das eigene politische und soziale System integriert und in die westliche Gesellschaftsordnung eingetaucht. Die Menschen freuten sich auf die neue Währung, die allen den neuen Wohlstand und die Reisefreiheit versprach! Sie wussten nicht, dass sie die vorher nicht so gut bezahlte Arbeit gegen die noch schlechter bezahlte Hartz 4 – Sozialhilfe für manche tauschen werden!
Die DDR hatte ihre eigenen Marken, die einen guten Namen hatten, ihr sehr gutes Schulwesen, eine andere Art der Kinderbetreuung und der Wohnungspolitik als im Westen.
Die DDR hatte ihre Nachteile, sie hatte aber auch viele Vorteile, die einfach „wiedervereinigt wurden“, ohne ans Tageslicht der neuen deutschen Politik kommen zu dürfen.
Auf einmal konnte man in den Medien hören, wie schlecht – fast alles – in der DDR war. Ich bin anderer Meinung, denn ich sah selbst, dass es auch viele gute Seiten in der DDR gab.
Menschen konnten in der DDR in modernen Wohnungen recht günstig wohnen, die Kinderbetreuung war gesichert, das Schulsystem war gut, wenn nicht besser als im Westen!
Die DDR pflegte freundschaftliche Beziehungen zu den Nachbarländern in Europa und auch international, die staatlichen Hochschulen der DDR gewährten Zutritt für Menschen aus Asien und Afrika, aus Polen und anderen Ländern, in denen Menschen sich keine westdeutschen Bücher und den Unterhalt in den westdeutschen Städten leisten konnten. Die deutsche Literatur konnten wir als die DDR – Literatur in Warschau kaufen und lesen. Und die Bücher im Kulturinstitut waren bezahlbar!
Das ostdeutsche Bier und die Bockwurst schmeckten. Die ostdeutschen Mixer, Schnellkochtöpfe und Fotoapparate waren in Polen sehr begehrt. Die Salami, die Schokolade und viele andere Lebensmittel aus der DDR waren Luxusware auf den polnischen Tischen!
Natürlich, es war nicht alles ideal, vieles war vielleicht schlechter als im Westen, aber ist im Westen alles besser? Nein! Leider bis heute nicht.
Nun wer kann uns über die feinen Vorteile der „wiedervereinigten“ und ausgelöschten DDR heute erzählen? Sie wurde angeschlossen, erlöscht und lächerlich gemacht.
Der Erfolg der Menschen, die diesen sozialistischen deutschen Staat fleißig und mit guten Vorsätzen aufgebaut haben, geriet in Vergessenheit.
Dabei wäre die heutige Bundesrepublik wahrscheinlich kein so moderner und sozialer Staat geworden, wenn es die „sozialistische Konkurrenz“ der DDR nicht gegeben hätte.