Arbeitslos

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Als Arbeitsloser hat man viel Zeit, wenig Geld und einige Pflichten.
Zu den Pflichten gehört, sich im Arbeitsamt zu melden. Zuerst arbeitssuchend. Natürlich innerhalb der gesetzlich vorgeschriebener Frist, wird man erfahren, wenn man zu spät kam. Man wird ja schließlich nicht alle paar Tage arbeitslos. Nein, wenn schon, dann richtig.Es macht den Angestellten im Arbeitsamt Schwierigkeiten einen einzuordnen, wenn so ein Arbeitssuchender aus den entfernsten Gegenden Europas ankommt.
Warschau???? Ist das Tschechei? Nein. Tschechien?
Polen. Immer noch, denkst du, in Gedanken, leicht erschrocken, dass in der EU womöglich Warschau nach Prag umgezogen wurde. Dabei bist du erst paar Tage weg! Wer weiß das heute noch so genau? Man kann nicht alles wissen. Wenn man alle Formulare ausgefüllt, unterschrieben und beisammen hat, kann man sich im Arbeitsamt arbeitslos melden. Man stellt sich an. Scheinbar sind noch einige andere Leute auf dieselbe Idee gekommen. Man wird registriert.
Haben Sie Ihren Ausweis oder Ihren Reisepaß dabei? Der Nächste bitte! Nein, er muss schon persönlich kommen. Sie dürfen Ihren Sohn nicht arbeitslos melden! Nein, das geht nicht! Der Nächste bitte!
Dann kann man im Wartebereich C Platz nehmen und man wird aufgerufen. Dauert es lange?
Das kann schon eine Weile dauern! Nein, Sie müssen in den Wartebereich C, habe ich gesagt!
Aber ich muss vorher noch auf…. Dann müssen Sie sich schon beeilen!Guten Morgen! Morgen…. Begrüßen und schnell wegschauen. Man kennt sich ja von irgendwoher. Ob sie mich auch erkannt hat? Mist. Sitzt die auch hier, ausgerechnet im Bereich C! Gerade heute! Vielleicht ist sie das gar nicht, sonst würde sie ja was sagen. Aber sie kennt mich auch nicht.
Ein Kind läuft hin und her… Fröhlich und lustig. Nur das Kind.
Möchtest du dich arbeitslos melden??? Ha, ha! Oder soll ich dir eine Arbeit suchen? Und die Mama bleibt zu Hause??? Ha, ha!!!
Das Kind weiß nicht, wie die Frau vom Amt das meint. Die Mama ist schon zu Hause. Und wir können deshalb einen Ausflug in die Spielecke des Arbeitsamtes machen! Schnell verstecken. Ich bin erst 4 und möchte noch nicht arbeiten…
Herr Maier bitte… Guten Morgen, kommen Sie bitte mit….
Frau Krupinska! Guten Morgen! Bitte, kommen Sie mit…
Das Herz schlägt schneller, wenn man den eigenen Namen hört. Dennoch: eine Erleichterung.
Der Sachbearbeiter ist ganz nett. Er lächelt freundlich und erklärt einem, wo man was falsch angekreuzt hat, und wo was fehlt… Überstanden. Sie bekommen von uns einen Bescheid!
Eine Tablette, Schluck Wasser! Nach 3 Stunden sind die Übelkeit und die Kopschmerzen vorbei…. Irgendwann kommt eine Einladung nach §309 Drittes Sozialgesetzbuch (SGB III)i. V. m. §144 SGB III. Der Anfang klingt gut: Einladung.
Man hat sich immer schon auf Einladungen gefreut.
Na bitte, wo einen sonst keiner mehr einlädt, wird man vom Arbeitsamt eingeladen!
Sehr geehrte Frau… schreiben sie! Und man braucht gar nicht viel mitzunehmen. Bewerbungsunterlagen, Lebenslauf. Das hat man doch!
Man sollte unbedingt die Rechtsfolgebelehrung und die weiteren Hinweise auf der Rückseite beachten…. Schon beim Durchlesen bekommt man graue Haare und Angst, etwas verbrochen zu haben: Wenn Sie ohne wichtigen Grund…., Voraussetzungen…, Sperrzeit…, Leistungen werden nicht gezahlt…, Anspruchsdauer mindert sich…, Absenkung gemäß § 31 Abs. 4 Nr. 3 Zweites Buch Sozialgesetzbuch…., Pflicht…, Rechtsbehelfsbelehrung…., Widerspruch….
Ob man damit zum Anwalt muss? So vorsichtshalber?
Mit freundlichen Grüßen.
Meine Agentur für Arbeit!

Wenn man arbeitslos ist, hat man einige Pflichten, viel Zeit und wenig Geld.
Mit dem wenigen Geld lernt man umzugehen und verlernt auszugehen.
Man bleibt am liebsten zu Hause, isst belegte Butterbrote, Pfannekuchen und Gemüsesuppen.
Ab und zu auch Gehacktes oder Wurst. So ist es auch wieder nicht.
Es reicht gerade noch, um zu zweit über die Runden zu kommen. Es bleibt aber echt nichts übrig.Man ist leider gezwungen, einige Zutaten einzukaufen. Denn nur stilles Wasser fließt aus dem Wasserhahn, und auch nicht ganz kostenlos, wie man nach der Pro-Kopf-Abrechnung bei der Nebenkostennachzahlung feststellen muss. Die Nachbarn haben scheinbar auch getrunken, gespült, gekocht und gebadet. So viel Wasser konnte man selbst gar nicht verbrauchen! Wo man doch die meiste Zeit nicht da war! Aber gerecht ist gerecht. Meine Lieblingsmarke ist seit einigen Monaten “GUT UND BILLIG”. Denn die Ware hält, was der Name verspricht. Ich schwöre auf den “GUT UND BILLIG” – Apfelsaft und mein Sohn will keinen anderen Traubensaft zu sich nehmen. Das Eis dieser Marke schmeckt lecker, Marmelade fruchtig und der Kaffee aromatisch. Tee schmeckt nach Tee und Wasser nach Wasser. Auch alle anderen Lebensmittel, die ich probiert und Produkte, die ich ausprobiert habe, waren nicht schlechter als ihre teureren Entsprechungen in schöneren oder bunteren Verpackungen, die ich aus besseren Zeiten und aus der Werbung kenne, und die bei den nicht arbeitslosen Bekannten anzutreffen sind, falls man diese und ihre A-13 Haushalte zu Gesicht bekommt.
Denn die Leute laden einen ungern ein und kommen gar nicht mehr gern in meine Küche.
In diese Küche???
Sie ist irgendwie zu klein, zu eng und zu arbeitslos geworden. Und mit den “GUT UND BILLIG” Sachen sind alte Bekannte nicht mehr zu beeindrucken, und schon gar nicht zu einer Freundschaft zu bewegen. Wenn man schon keine Arbeit hat, sollte man wenigstens Geschmack haben.
Ich lasse mich von den günstigen Preis nicht abschrecken und genieße den günstig erworbenen Genuss mit Genuss.
Zu meinem Ensetzen scheint die “GUT UND BILLIG” Ware in einigen deutschen Haushalten immer beliebter zu werden. Denn, wenn etwas gerade ausverkauft ist, und im Regal fehlt, dann war es eben “GUT UND BILLIG” zu erwerben. Der Zettel unter dem leeren Platz im Regal bestätigt das schwarz auf weiß.
Ich stehe dann da, ganz allein und hilflos, den teureren Produkten ausgeliefert.
Und da fasse ich den Entschluss, trotz der Entfernung und unbeachtet der Wetterverhältnisse, mich auf den Weg zum “ALL-DIE” zu machen. Denn dort findet man erst richtig was für alleinerziehende arbeitslose Mütter, die gerade über wenig oder keine Ersparnisse verfügen.
Ein Warenparadies und nicht teuer. Man spart, indem man einkauft. Und je mehr man kauft, um so mehr spart man. Also spart man letztendlich mehr als man überhaupt im Portemonnaie hatte, dafür hat man jede Menge günstige Ware, die man gar nicht vorhatte zu kaufen. Und einen Toaster obendrauf!
Zahlen Sie bar oder mit der Karte? Bitte geben Sie die PIN ein. So ein Überziehungskredit ist eine wunderbare Dienstleistung der Bank. Ob die das noch lange mitmachen, bevor die Bank selbst bankrott geht???
Und so hofft man nach dem günstigen Großeinkauf, dass die paar Euro, die man noch in der Tasche hat, bis zur Zahlung des Kindergeldes ausreichen.
Wenn man Kleidung braucht, findet man die letzte Rettung in dem Kleiderladen von Caritas.
Viele Leute scheinen die noch gar nicht oder kaum gebrauchten Sachen nicht mehr zu brauchen. Ein Glück für die anderen. Auch hier trifft man ungern Bekannte. Aber man grüßt einander freundlich und tröstet sich damit, dass sie eine andere Kleidergröße haben.
Ich wohne, für eine alleinerziehende arbeitslose Mutter, wirklich sehr günstig.
Leider wurde mir im Amt für Hartz 4 – Empfänger, wo ich mich wegen meiner nahen Zukunftsaussichten informieren ließ, empfohlen, eine kleinere Wohnung zu suchen. Denn ich bezahle zu viel Miete.
Na ja, für ca. 220,- Euro kalt, da kann ich kaum ein Einzimmerappartement in Koblenz finden.
Das wäre auch etwas eng mit dem Kind. Aber viele wohnen so, natürlich. Viele wohnen auch anders.
Und schon jetzt finden viele meiner Bekannten meine Wohnung nicht gut genug, um mir mit ihren Kindern einen Besuch zu erstatten.
Meine 3 Zimmer, Küche, Bad und Flur, verteilt auf 76m², können, verglichen mit ihren Wohnungen, Häusern und Villen mit Vor-, Winter- und dem richtigen Garten, kaum das richtige Ambiente für eine Begegnung bieten.
Zumal der Ausblick aus der Küche dem aus einem Gefängnis ähnelt.
Und die Leute mögen schöne Aussichten haben. Auch wenn sie durchaus auch schon mal im EKIA-Katalog geblättert haben. Beim Arzt natürlich, weil die da so rumliegen. Überdies kann ich einen Umzug gar nicht finanzieren. Und ich frage mich, wer an mich noch eine Wohnnung vermieten würde…? Die Vermieter reißen sich bestimmt um arbeitslose alleinerziehende Mütter, die in Kürze eine Aussicht darauf haben, Hartz 4 zu beziehen.
Billige, kleine Wohnung. Wie klein denn noch? Kleinere Wohnungen sind im Verhältnis teurer und meistens in den Neubauten, also wieder teurer, und meistens für Singels – Haushalte geignet. Die Politiker sagen, Armut sollte keine Postleitzahl bekommen….
Die braucht sie nicht, die Postleitzahl gibt es an vielen Orten schon. Nur nicht alle Politiker scheinen es mitbekommen zu haben. Und was ist mit meinem Sohn? Muss er die Schule wechseln? Was ist mit seinem Umfeld? Mit seinen Freunden? Wer wird ihn noch unter der neuen Postleitzahl besuchen wollen?
Und was, wenn ich noch ein Kind bekomme? Oder Zwillinge? Darf man das, wenn man arbeitslos ist oder Hartz 4 bezieht, das kaum zum Leben reicht??? Die Doppelverdiener haben aber oft gar keine Lust und schon gar keine Zeit dazu, ein Kind zu bekommen!
Oder wenn ich doch noch in den nächsten Monaten durch ein Wunder, Gottes Fügung oder einen anderen Zufall Arbeit finde? Ich habe schließlich gelernt, studiert und einen Beruf habe ich auch… Vielleicht kann man so jemanden doch noch brauchen??? Auch alleinerziehend?
Dann kann ich wieder umziehen??? Und wer bezahlt das? Vielleicht stecke ich in dieser Misere nur vorübergehend?

Aber es steht mir noch wenigstens noch Wohngeld zu. Um dieses zu beantragen habe ich entsprechende Formulare ausgefüllt und Anträge abgegeben. Einmal wurde ich zwar von meinem Sachbearbeiter weggeschickt, obwohl ich schön in der Reihe gewartet habe. Als ich dran war, hatte er plötzlich keine Zeit mehr für mich, denn er musste sich mit einem komplizierten Fall beschäftigen.
Ich wollte nur Formulare abholen. Die durfte ich gerade noch mitnehmen. Ich kam wieder. Paar Wochen später kam der Bewilligungbescheid. Leider konnte ich nirgendwo das Zahldatum entdecken. Ich kann zwar sonst ganz gut lesen, aber das Datum konnte ich nicht finden. Es steckte ganz ungünstig unter einer Büroklammer eingeklemmt.
So habe ich einfach mal am frühen Morgen im Amt angerufen und ganz blöd gefragt (wie mir der Sachbearbeiter zu verstehen gab), wann das Geld gezahlt wird. Ich hatte nämlich kaum noch Geld. Der Beamte der Stadtverwaltung informierte mich, dass es eine Unverschämtheit ist, dass die Leute die von ihm abgeschickten Unterlagen nicht sorgfältig lesen, wo er sich doch so viel Mühe gibt, diese zu verfassen! Ich war enstetzt!
Muss es denn die Menschen im Amt so viel Mühe kosten!? Ich fühlte mich ganz schuld daran, dass mein Sachbearbeiter sich dort für mich abrackert, während ich ganz unverschämt zu dämmlich bin, das Zahldatum zu finden, und dazu noch die Frechheit habe, bei ihm anzurufen und ihn während der Arbeitszeit zu stören!

Das werde ich auch sicher nie wieder tun.
Und ich bemühe mich auch wirklich, wieder Arbeit zu finden, um die entsprechenden Anträge nicht stellen zu müssen!
Leider gefällt den meisten arbeitenden Menschen ganz offensichtlich, dass sie sich auf ihren Arbeitsplätzen so viel Mühe geben müssen, denn ich habe noch keinen getroffen, der seine Stelle frei machen und mit mir tauschen wollte! Oder möchte jemand tauschen?Als Arbeitsloser hat man, wie man leicht nach der Lektüre dieses Textes feststellen kann, auch Zeit, um in Ruhe über die Lage einer Arbeitslosen zu berichten. Denn so eine Arbeitslose liegt natürlich nur noch! Sie braucht überhaupt nicht mehr aufzustehen! So gut haben es die Arbeitslosen! Dass sie oft am Boden zerstört liegen, das merkt keiner. Denn kein Mensch ist mehr für einen da. Ein Segen, dass das Arbeitsamt ab und zu anruft oder eine Einladung schickt!
Ganz im Ernst!

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